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Die 1784 errichteten Ulanen-Regimenter

Der Ursprung der Ulanen ist im asiatischen Raum zu suchen. In Europa traten sie erstmals in der polnischen Armee als eine mit Lanzen bewaffnete Kavalleriegattung in Erscheinung. Diese äußerst tapfer kämpfende Nationaltruppe fand bald Anerkennung in allen Teilen Europas und so kam es, dass sie bald auch in Deutschland, genauer gesagt in Preußen, Bayern, Sachsen, Westfalen, Berg, Württemberg, dann in Frankreich, Großbritannien, Russland und Österreich-Ungarn als sogenannte “leichte Reiter”zum Einsatz kamen. Das Wort Oglan, welches mit Ulan übersetzt werden kann, kommt nach Meinung der Polen aus dem mongolischen Sprachraum1 und bedeutet so viel wie “tapferer Krieger”.

In Österreich kann die Geburtsstunde der Ulanen-Freicorps relativ genau belegt werden. Zwei Schriftstücke aus dem Kriegsarchiv sind dafür maßgebend:

1.) Die kaiserliche Resolution von 15. Februar 1781 über die Errichtung von Freikorps zeigt die erste Erwähnung von Ulanen in der k.k. Armee.

2.) In einem persönlichen Handschreiben Kaiser Joseph II. vom 21. Oktober 1784 ordnet dieser die Errichtung eines Ulanenregiments an.2

Dieses kaiserliche Handschreiben dürfte die wahre Geburtsstunde der polnischen Lanzenreiter in der k.k. Armee gewesen sein. In dem Buch “Die österr. Armee von 1700 – 1867” von Teuber/Ottenfeld wird darüber berichtet.

Grundsätzlich kann gesagt werden, dass die Ulanenregimenter mit den jeweiligen Husarensäbeln ausgerüstet waren. Im oben erwähnten Buch gibt es auf Seite 241 allerdings einen Satz, der aufhorchen lässt:

500 Husaren- und 500 Ulanensäbel wurden als Bewaffnung (für die neu gegründeten Ulanenfreikorps) bereit gehalten.3

Bei den 500 Husarensäbel handelt es sich um das Muster 1769/75 für Gemeine und Korporale in Eisen montiert. Bei den 500 Ulanensäbeln wird die Sache schon etwas schwieriger. Bisher ist nämlich keine zeitgenössische Literatur bekannt, in welcher über derartige Säbel berichtet wird. Auch Dolleczek schreibt in seiner Monographie4 nur, dass die 1784 errichteten Ulanen-Escadrons mit dem Husarensäbel ausgerüstet waren.

In Dolleczeks Handzeichnungsarchiv gibt es jedoch zwei Blätter, welche jeweils einen eigenen Offizierssäbel (Tafel 1) und einen Mannschaftssäbel (Tafel 2) für Ulanen darstellen. Unklar ist, warum Dolleczek diese Handzeichnungen später im Buch nicht erwähnt hat, möglicherweise weil sie zu kurz oder nur zur Probe eingeführt waren.

Die gezeichneten Waffen scheinen grundsätzlich gleich zu sein. Die Offiziersausführung ist jedoch naturgemäß reichhaltiger geschmückt und die Griffkappe endet oben mit einem Doppeladler. Auf beiden Klingen,

für Offizier sowie Mannschaft, ist einerseits der bekannte Doppeladler, andererseits der kaiserliche Namenszug von Joseph II., „J II“ unter der Erzherzogskrone zu sehen, wobei die Offiziersklinge im ersten Drittel gebläut und die Gravuren vergoldet dargestellt sind. Bei den Mannschaftsklingen dürften die erwähnten Zeichen nur graviert sein. Beschrieben werden die beiden Säbel auf der Zeichnung folgendermaßen:

Säbel für Offiziere des k.k. Uhlanen-Frei-Corps 1786
Säbel für Mannschaft des Uhlanen-Frei-Corps 1786

Auf der Zeichnung mit der Darstellung des Offizierssäbels ist als kleine Randnotiz “K.K.H.M. No. 103” angeführt, was zeigt, dass zur Zeit, als Dolleczek sein Buch schrieb, im Heeresgeschichtlichen Museum unter der Inventarnummer 103 so ein Exemplar vorhanden gewesen war. Auf dem Blatt mit dem Mannschaftssäbel ist, scheinbar mit Bleistift, noch folgender Vermerk angebracht:

Aus den alten Klingen der Carabiniers & berittenen Grenadiere durch Abschleifen hergestellt, in Pottenstein . . ..

Interessant ist, dass es zu diesen von Doleczek dargestellten beiden Säbel auch eine andere Interpretation gibt. Lugosi Jòzsef und Temesvàry Ferenc beschreiben den Offizierssäbel (Tafel 2a) in ihrem Buch “Kardok” mit der Bildnummer 159 als “Galiciai-lodomèria testörsèg szablyàja 1786” (Säbel der galizisch-lodomerischen adeligen Garde). Rolf M.Urrisk-Obertynski übernimmt das Bild aus dem Buch Kardok in sein Werk “Die k.u.k. Leibgarden am österreichisch ungarischen Hof 1518-1918” auf Seite 180 mit der Beschriftung “Säbel der königlich galizischen adeligen Leibgarde”. Wir haben hier also zwei Aussagen vor uns die es zu verifizieren gilt, was ein äußerst schwieriges Unterfangen darstellt. Sicher ist jedenfalls, dass die “Galizische Nobelgarde”, wie sie auch genannt wird nur mit adeligen Offizieren besetzt war und ein Mannschaftssäbel hier sicher nicht zum Einsatz kam. Bis hier durch weitere Forschungen Klarheit geschaffen werden kann, muss sich der interessierte Leser selbst entscheiden welcher der beiden Aussage er sich anschließen möchte.

Der letzte dokumentierte Säbel für freiwillige Ulanen ist das Muster 1859, ein mit zwei Spangen am Korb versehener Säbel, von dem einige Offiziersausführungen (Tafel 3+4) bekannt sind, jedoch bisher weder in einem Museum noch in einer Privatsammlung eine Mannschaftsausführung gefunden werden konnte. In der handschriftlich verfassten Dienstvorschrift5 vom Jahre 1858 ist dieser Mannschaftssäbel (Tafel 5+6) als bemaßte Konstruktionszeichnung mehrfach abgebildet. Dolleczek beschreibt diesen Säbel in seinem Buch folgendermaßen: Als besondere Gattung leichter Säbel wäre ferner zu nennen, die für die damals freiwilligen Ulanen, genannt Ulanenregimenter Nr. 13 von Jurmann konstruierte Offiziers- und Mannschaftssäbel mit Spangenkorb, welcher nur in wenigen Exemplaren zur Ausgabe gelangte und schon im Jänner 1860 (22. 1. 1860) abgeschafft wurde.6

Nun zu einem bisher eher unbekannten Detail der Ulanen-Blankwaffen aus den Jahren 1858 – 1861. Seit Jahren erregt die Darstellung speziell auf einem Blatt der Dolleczek-Handzeichnungen das besondere Interesse geübter Sammler.

Der gezeichnete Säbel stellt den Mannschaftssäbel M 1858 dar, wie er in der oben erwähnten Dienstvorschrift in exakter Konstruktionszeichnung mit Bemaßung dargestellt ist. Das besondere Interesse auf diesem Blatt gilt jedoch nicht dem Säbel selbst, sondern der Scheide.

Die Trageringe sind nämlich in der Weise angebracht, wie dies sonst nur bei russischen Schaschkas zu sehen ist. Der Säbel wird damit zwar auch an der linken Seite, aber in umgekehrter Form, eben wie ein Schaschka, mit dem Korb nach rückwärts, getragen. Die Ulanen waren ja ursprünglich eine tatarisch national bewaffnete Truppe im Heer der Könige von Polen. Durch diese auffällige Trageweise ihres Säbels wollten die freiwilligen k.u.k. Ulanen Nr. 13 scheinbar auf ihre tatarischen Wurzeln aufmerksam machen.
Dolleczek beschreibt auf dieser Handzeichnung den Säbel folgendermaßen:

  • Caval. Säbel 1859/60
  • leichter & schwerer
  • System Jurmann
  • Klinge: Gerbstahl
  • Länge: 85-92 cm
  • Breite: 3,2 cm
  • Feder: 27 cm
  • Scheide: Walzblech
  • Notiz: Nur probeweise eingeführt
    (Die Konstruktion der Ringe wurde 1861 verlassen)

Generationen von Forschern und Sammlern haben sich wahrscheinlich die Frage gestellt, ob es diese Trageweise in der k.k. Armee tatsächlich gegeben hat oder ob dem Zeichner hier schlicht und einfach ein Fehler unterlaufen sein könnte. Ich denke, viele Sammler, denen so ein Stück angeboten worden wäre, hätten eher an einen sorglosen Bastler als an ein normiertes, hochinteressantes Sammlerstück gedacht.

Nun gibt es aber zeitgenössische Fotos von Trägern, die eben diese Trageweise des Säbels bestätigen. Auch eine Fotografie aus dem Jahre 1860 mit folgendem Bildtext zeigt diese Trageweise: “Befehlsausgabe bei den freiwilligen Ulanen in Stockerau”, gefunden in dem Buch “60 Jahre Wehrmacht”.7 Auf diesem Bild ist deutlich zu erkennen, dass der 1858er-Kavalleriesäbel bei den abgebildeten Mannschaftssoldaten in eben dieser umgekehrten “Schaschka-Trageweise” am Leibriemen befestigt ist. Weiters ist noch zu erkennen, dass die Scheide nicht aus geschmirgeltem Eisenblech, sondern schwarz ausgeführt Verwendung fand.

­Aufgrund dieser bildlichen Darstellung wurden im Heeresgeschichtl. Museum Wien die Bestände durchgearbeitet und tatsächlich kamen zwei Scheiden zum Vorschein, welche diese Trageweise bestätigen. Die Scheiden sind nicht wie sonst üblich mit angehängten Etiketten beschriftet, aber es ist anzunehmen, dass die breitere Scheide eine Mannschafts- und die schmälere eine Offiziersausführung darstellt.

Beschreibung der Säbelscheiden:

Mannschaftsausführung (unten links):

Die Walzblechscheide selbst zeigt kaum einen Unterschied zu den herkömmlichen Scheiden des Musters 1858, ist jedoch zusätzlich mit schwarzem Leder überzogen. Der Überzug beginnt etwa 5 cm unter dem mit zwei Rundkopfschrauben befestigten Mundstück und endet etwa 3cm vor dem aufgelöteten Schleifeisen, auf welchem die oft gefundenen, aber bisher nicht identifizierten Abnahmebuchstaben “GF” eingestempelt sind. Das Scheidenüberzugsleder ist an der hinteren Scheidenbreitenmitte vernäht.

Besonders aufwändig sind die Trageringe befestigt. Der die Scheide umfassende ovale Ring ist so gestaltet, dass er beweglich am Scheidenleder aufgeschoben ist. Durch die hintere Öse ist dann der bewegliche Tragering gezogen. Damit der ovale Scheidenring nicht von der Scheide rutschen kann, ist die Bewegungsfreiheit dieser oberen und unteren Scheidenringe mit jeweils vier Rundkopfnieten in einem Bereich von etwa 5 cm begrenzt. Am oberen Scheidenovalring ist der Tragering nicht am hinteren Ende, sondern an dessen Breitseite, auf 45° schräg gestellt, angebracht.

Offiziersausführung (unten rechts):

Diese unterscheidet sich nur durch ihre etwas geringere Breite und das Ende des Mundstückes, welches hier aus einem kleinen, flach aufgelöteten Metallblättchen besteht. Aus diesem Blättchen ist die Form der Klinge, erkennbar als Stabrückenklinge, ausgespart. Außerdem ist der obere Tragering am ovalen Scheidenring nicht 45° schräg, sondern gerade aufgesetzt. Das Scheidenleder ist nur mehr bis knapp unter der unteren Begrenzungsniete des unteren Scheidenringes vorhanden. Ob dies von Haus aus so war oder ob das möglicherweise kaputte Scheidenleder später einmal einfach abgeschnitten wurde, kann nicht verifiziert werden. Beide Scheiden waren ursprünglich nicht vernickelt, sondern nur blank poliert.

Warum im Heeresgeschichtlichen Museum nur die zwei Scheiden ohne die dazugehörigen Säbel vorhanden sind, kann nicht mehr geklärt werden. Sichergestellt ist jedoch, dass jeweils ein normierter Mannschafts- und Offizierssäbel Muster 1858 problemlos in die beiden Scheiden gesteckt werden konnten. Da die Waffenfabrikanten verpflichtet waren, Probemuster im HGM abzuliefern, ist denkbar, dass aufgrund der exakten Gleichheit zum Muster 1858 nur die neu konstruierten Scheiden als Belegexemplare abgeliefert wurden.

Offen bleibt auch noch die Frage, warum Dolleczek auf seiner Zeichnung das Scheidenleder und die verschiebbaren Scheidenringe nicht festgehalten und diese Trageart im Buch auch nicht beschrieben hat. Bei diesem speziellen Säbelmuster möglicherweise deshalb, weil es, wie auf der Handzeichnung vermerkt, nur zur Probe eingeführt war.

In dem Buch “Die österr. Armee von 1700 bis 1867” findet sich in dem Kapitel “Die Ulanen” folgender kurzer Hinweis:

. . . .den Säbel in schwarzer Lederscheide unter der Uhlanka, Korb nach rückwärts. Die letztere Trageart sowie die Lederscheide entfiel aber schon nach kurzer Zeit.8

In den zwei Regimentsgeschichten der 13er-Ulanen konnten zusätzlich Hinweise gefunden werden. Sowohl in der “Geschichte des k.u.k. Ulanenregiments Nr. 13, 1860 – 1910″9 auf den Seiten 11-12 als auch in der „Monographie des k.u.k. 13. Ulanenregiments 10 auf Seite 3 ist Folgendes kurz erwähnt:

Der Säbel wurde unter der Uhlanka mit dem Korb nach rückwärts getragen. Sowohl die mit Leder überzogene Scheide, als auch die Trageart des Säbels wurde bald darauf wieder abgeschafft, da sich beides als unpraktisch erwiesen hat!

Mit der Auffindung der beiden Scheiden im HGM konnte in Bezug auf die blanken Waffen der Ulanen doch wieder ein kleines Geheimnis dem Dunkel der Geschichte entrissen werden.

Kürzlich ist in einer Privatsammlung ein entsprechender Säbel mit einem Gefäß vom Kavalleriesäbel Muster 1861, in Messing montiert aufgetaucht, der als Belegexemplar wiedergegeben wird.

Die vollständige Liste für Ulanen- und Husarensäbel sieht folgendermaßen aus:

Husarensäbel f. Wachtm. und KorporaleMuster 1769
Husarensäbel f. GemeineMuster 1769/75
Ulanen-MannschaftssäbelMuster 1786
Ulanen-OffizierssäbelMuster 1786
Husaren- u. Ulanensäbel für MannschaftMuster 1798
Husaren- u. Ulanensäbel für UnteroffiziereMuster 1798
Husaren- u. Ulanensäbel f. Unteroffiziere16. 6. 1803
Husaren- u. Ulanensäbel f. Mannschaft16. 6. 1803
Husaren- u. Ulanensäbel f. Mannsch. u. UO27. 8. 1808
Husaren- u. Ulanensäbel f. Mannsch. u. UO19. 12. 1824
Husaren- u. Ulanensäbel f. Mannsch. u. UO22. 12. 1825
Husaren- u. Ulanensäbel f. OffiziereMuster 1827
Husaren- u. Ulanensäbel f. OffiziereMuster 1837
Säbel für freiwillige Ulanen-Offiziere1. 10. 1858
Säbel für freiwillige Ulanen-Mannsch.1. 10. 1858
Säbel für freiwillige Ulanen-Offiziere1. 10. 1859/60
Säbel für freiwillige Ulanen-Mannsch.1. 10. 1859/60

Anmerkungen:

1 Vgl. O.A.d.Autors im WWW unter URL: http://de.wikipedia.org/wiki/Hauptseite – Ulanen
2 Teuber in Teuber/Ottenfeld, Seite 238-241
3 Teuber in Teuber/Ottenfeld, Seite 241
4 Dolleczek, Seite 14
5 Vgl. Instruktionen zur Untersuchung, Erprobung und Übernahme der in der k.k. Armee eingeführten Cavallerie-, Infanterie- und Pionier-Säbel vom Jahre 1858, Wien 1858, Seite 13 f
6 Dolleczek, Seite 14
7 60 Jahre Wehrmacht, 1848–1908, Verlag des k.u.k. Kriegsarchives, Wien 1908, Seite 61
8 Teuber in Teuber/Ottenfeld, Seite 539
9 Cajetan Pizzighelli, Geschichte des k.u.k. Ulanenregiments Nr. 13, 1860 – 1910, Zloczow 1910, Seite 11-12
10 Bülow-Zibühl, Seite 3

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