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Der Säbel für k.k. Sappeure

Die Ausrüstung des Sappeurs (Zeichnung von Teuber-Ottenfeld )

Einführung

(Zeichnung von Teuber-Ottenfeld)

Einleitend einige Gedanken über die Ursprünge der Genie- bzw. Ingenieurs-Korps:

Mit dem rasanten Aufstieg der Artillerie ging auch die Bildung der ersten Ingenieurs-Korps einher. Der französische König Heinrich IV. ließ zuerst durch seinen Großmeister der französischen Artillerie, Maximilian de Béthune, duc de Sully 1603 ein Ingenieurs-Korps schaffen. Die Aufgabe dieses Korps war das Kriegsbauwesen, insbesondere für die Verteidigung und die Belagerung von Festungen.

Kaiser Karl VI., der Vater Maria Theresias, gründete im Jahr 1717 zwei Ingenieur-Akademien, eine in Brüssel und eine in Wien und legte damit auch den Grundstein für ein Ingenieur-Korps in der k.k. Armee. Durch diese Schulen wurde die wissenschaftliche Ausbildung junger Soldaten im damals aufstrebenden Ingenieurswesen gewährleistet. Unter Kaiserin Maria Theresia führte Karl Alexander von Lothringen, der Bruder ihres Gatten Franz Stephan, den Titel „General-Direktor des Ingenieurs-Korps und des Fortifikationswesens. Im Jahre 1748 erschien das erste gedruckte Reglement für das Ingenieurs-Korps in deutscher und französischer Sprache[1].

Das Ingenieurs-Korps, auch technische Truppe genannt, war früher unter den Namen Teichgräber, Guastadores und Schanzbauer bekannt. Sie wurden ursprünglich vom jeweiligen Bürgertum gestellt. Erst Mitte des 18. Jhdt. wurden diese Arbeitsgruppen militärisch organisiert und zwar 1758 die Pioniere, 1760 die Sappeure, 1764 die Tschaikisten und 1765 die Pontoniere. Auch die bereits seit 1716 bei der Artillerie bestehenden Mineure kamen 1772 unter die Oberhoheit des Ingenieurs-Korps. Das Kommando über all diese technischen Truppen hatte der „General-Genie-Direktor“. Bis zum Jahre 1765 waren alle diese Korps, ausgenommen die Tschaikisten, mit dem seit 1748 bestehenden Grenadiersäbel (Tafel I.) ausgerüstet[2].

Das in der Habsburger Armee im Jahre 1760 errichtet Sappeur – Korps war von Anbeginn dem Ingenieurs-Korps untergeordnet. Das Wort Sappeur kommt aus dem Französischen und bedeutet „Steinhauer“. Ihre Aufgabe war in erster Linie der Bau von sogenannten Sappen, das sind Lauf- und Annäherungsgräben zu den feindlichen Stellungen und Festungen. Weiters gehörte zu den Aufgaben der Sappeure die Beschaffung von Schanzpfählen und die Beseitigung von Hindernissen.

[1] Franz Müller; „Die kaiserl. königl. österreichische Armee seit Errichtung der stehenden Kriegsheere bis auf die neueste Zeit“, Prag 1845, Seite 181 ff

[2] Anton Dolleczek; Monographie der k.u.k. österr. ung. Blanken und Handfeuer-Waffen; Wien 1895, Seite24, re. Spalte.

Sappeure bei der Arbeit 1762 (Zeichnung von Teuber-Ottenfeld )

Der Säbel für Sappeure (Tafel II.) wurde jedoch nicht im Jahre 1760, dem Gründungsjahr des Sappeur -Korps eingeführt sondern erst 9 Jahre später[1]. Die richtige Musterbezeichnung muss also M 1769 lauten. Im Ökonomie-Musterbuch 1773[2] wird dieser Säbel auf Seite 129 erstmals beschrieben (Tafel III.) und auch bildlich dargestellt (Tafel IV und Tael V.). In diesem Werk werden auch die zwei eingeführten Varianten genannt (Tafel VI.):

  • Prima Plana Sappeur-Säbel mit Säge, in vergoldeter Ausführung, für Sappeur-Meister und Sappeur-Führer
  • Ordinari Sappeur-Säbel mit Säge für Ober-Sappeur, Sappeur, Gemeiner und Tambour

Beschreibung Sappeursäbel M 1769:

Die Klinge des Sappeur -Säbels misst in der Länge 55 cm und weist auf ihrem Rücken 36 Sägezähne auf. Dies zeigt schon, dass es sich bei dieser Waffe um ein Kombi-Instrument, nämlich halb Waffe und halb Werkzeug handelt. Die schwarze Lederscheide ist, wie zu dieser Zeit üblich, mit Mundstück samt Trageherzchen und Ortblech ausgestattet. Das Gefäß wird in der Beschreibung des Ökonomiemusterbuches als „Hirschfängerartig“ bezeichnet[3]. Die knopfartigen Enden der Parierstange sind ab- und aufwärts gebogen und der Rahmen des schweren Gefäßes ist aus Messing gegossen. An der Außenseite der Parierstange ist, scheinbar als Daumenauflage bei der Benützung als Säge, ein halbkegelartige Erhöhung ausgeformt. Beidseitig sind mittels zweier Messingnieten rundlich geformte Büffelhorngriffschalen angebracht. Wie auf der Zeichnung im Ökonomie-Musterbuch unschwer zu erkennen, ist die Klingenangel über einem kleinen Ansatz am oberen Ende des Gefäßes vernietet. Fälschlicherweise gibt Anton Dolleczek in seiner Monographie[4] an, dass der Prima Plana -Säbel keine Sägezähne hätte, obwohl im, um 122 Jahre älteren Ökonomie-Musterbuch ausdrücklich das Gegenteil (siehe Tafel VI.) zu lesen ist.

Beschreibung Sappeursäbel M 1807:

Im Jahre 1802 wird für die technischen Truppen nur mehr ein Säbel verzeichnet und 5 Jahre später am 27 August 1807 wird wieder ein Sappeur-Säbel (Tafel VII.) normiert, der grundsätzlich in Form und Dimension seinem Vorgänger entspricht. Bei genauerer Betrachtung ergeben sich jedoch einige Unterschiede.

Die Klingenangel ist nicht mehr oben am Gefäß vernietet, sondern im Inneren des Rahmengriffes, verdeckt von den jetzt flach gearbeiteten Büffelhorngriffschalen mit einer Eisenniete befestigt (Tafel VIII.). Auch ist das Gefäß am oberen, dreieckig geformten Griffende auf einer Seite etwa stärker ausgeschweift. Das Gefäß scheint außerdem noch etwas schwerer geworden zu sein. Auch die Daumenauflage ist an der äußeren Seite der Parierstange wieder vorhanden. Es sind auch Klingen bekannt, die nicht in einer Spitze sondern flach auslaufen. Manche Klingen besitzen auch eine kreisrunde Durchbrechung etwa 3 Zentimeter vor dem Klingenende. Beim Sägen konnte man durch diese Bohrung ein Stück Holz stecken um dann das Werkzeug wie eine Zugsäge zu benützen.

[1] Oscar Teuber, Rudof von Ottenfeld, Anton Dolleczek, Alfred Freih. Kondelka; Die österrreichische Armee 1700 – 1867, S, Czeiger k.k.pr. Kunstanstalt; Fußnote zu Seite 825

[2] „Allgemeiner Aufriss und Beschreibung sämtlicher Montours und Rüstungsgattungen, Feldrequisiten und Kriegsgerätschaften für die k.k. Truppen zu Fuß und zu Pferd“, Österr. Kriegsarchiv-Bildersammlung; Signatur BI IV 1/9

[3] Ebenda, Seite 129

[4] Anton Dolleczek; Monographie der k.u.k. österr. ung. Blanken und Handfeuer-Waffen; Wien 1895, Seite25, li. Spalte

Grenadiersäbel M 1748
Säbel für k.k. Sappeure M 1769
Säbel für k.k. Sappeure M 1807
Säbel für Sappeure M 1769, Zeichnung aus dem Ökonomiemusterbuch 1773
Säbel für k.k. Sappeure M 1807, Zeichnung aus dem Schmideder-Archiv
Sappeur um 1760 trägt den Säbel am weißen Sämischleder-Leibriemen (Ausschnitt aus Zeichnung von Teuber-Ottenfeld)
Sappeur um 1800 trägt den Säbel am weißen Sämischleder-Überschwungriemen (Ausschnitt aus Zeichnung von Teuber-Ottenfeld)
Sappeur 1848 trägt den Säbel am schwarzen Überschwungriemen (Ausschnitt aus Zeichnung von Teuber-Ottenfeld)