Prima Plana – was genau ist das?
Im Ökonomie-Musterbuch 1774 wird der „Infanterie Prima Plana Sabel“ als erster beschrieben und auf der Folgeseite bildlich mit Löwenkopfkappe dargestellt.
Als nächstes wird der „Infanterie Corporals, Grenadiers und Hung. Gemeine Sabels“ beschrieben und danach bildlich dargestellt.
Danach wird der Ordinari Fousilier Sabel beschrieben und bildlich dargestellt.
Aus der nachstehenden Tabelle (ein vom Autor transkribierter Ausschnitt aus dem Aufsatz der Grenadiere und Füsiliere) kann man folgendes erkennen:
- Prima Plana Säbel, (mit Löwenkopf) wurde vom Feldwebel (Wachtmeister bei den Kürassieren) getragen.
- Den Ordinari Säbel mit Bügel (Grenadiersäbel ohne Löwenkopf) trug der Grenadier-Spielmann und die Korporale der Grenadiere und Füsiliere
- Den Ordinari ohne Bügel für deutsche Fousiliere der einfache Soldat.
Diese Erkenntnis kann man, ohne, dass es explizit erwähnt wird auch auf die Kürassierpallasche übertragen.
Der Löwenkopfknauf wird im Text erwähnt:
Bildlich dargestellt wird nur mehr der Prima Plana Säbel mit Löwenkopf, da man davon ausgeht, dass sich die runde Kappe leicht vorstellen lässt.
In seinem Werk Geschichte der k.u.k. Wehrmacht – einem Standardwerk für Forscher zur österreichischen Heeresorganisation über die Jahrhunderte – beschreibt Alphons Wrede im ersten Band ab Seite 80 den Begriff „Prima Plana“ wie folgt:
Unter Prima Plana verstand man allgemein jene Personen, die auf dem ersten Blatt der Musterliste verzeichnet waren. Sie erhielten einen höheren Sold und standen bei Paraden sowie Musterungen in der ersten Reihe. Dieser Brauch hatte sich bis 1769 erhalten. Die Prima Plana genossen zudem den Vorteil, ihre Bestallung freiwillig niederlegen zu können, waren also „unobligat“.
Wrede unterscheidet:
a. Oberoffiziere der Prima Plana – Hauptmann, Lieutenant und Fähnrich
b. Personen der kleinen Prima Plana (Unteroffiziere) – Feldwebel, Führer, Zugsführer, Fourier, Musterschreiber und Feldscher
c. Gemeine Kriegsleute – Korporal, Gefreiter, Spielleute, Fourierschütz und der Gemeine (heute Infanterist)
Im Ökonomie-Musterbuch von 1774 findet sich ein entsprechendes Schema. Der erste dort in allen Einzelheiten beschriebene Säbel trägt die Überschrift „Infanterie Prima Plana Sabel“ und wird mit seinen Einzelteilen detailliert abgebildet. Kennzeichnend ist die Löwenkopfgriffkappe – das Erkennungszeichen der Primaplanisten.
Die nächste Überschrift lautet „Infanterie Corporals, Grenadiers und Hung. Gemeine Sabels“. Hier zeigt die Zeichnung eine Griffkappe ohne Löwenkopf, sondern mit glattem, rundem Abschluss.
Darauf folgt der „Ordinari Fousilier Sabel“, ebenfalls mit glatter runder Griffkappe und ohne weitere Verzierung.
Daraus ergibt sich eine klare Logik:
- Säbel mit Löwenkopfgriffkappe und Bügel –Infanterie Prima Plana Säbel
- Säbel ohne Löwenkopfkappe, aber mit Bügel –Infanterie Corporals, Grenadiers und Hung. Gemeine Säbel
- Säbel ohne Löwenkopfkappe und ohne Bügel –Säbel für den einfachen Soldaten (Füsilier)
Es ist anzunehmen, dass diese Systematik auch auf die Kürassiere übertragbar ist.
Der Prima-Plana-Säbel wird in den Überschriften nicht immer ausdrücklich genannt. So heißt es beispielsweise: „Deutsche Cavallerie Pallasch für Wachteister und Korporale“. Die Abbildung zeigt jedoch eindeutig einen Pallasch mit Löwenkopfgriffkappe. Im Beschreibungstext wird dies bestätigt: „Die Kappe mit Löwenkopf.“ Der Name „Prima Plana“ wird hier allerdings nicht verwendet.
Der Unterschied zwischen Wachtmeistern und Korporalen besteht darin, dass der Wachtmeisterpallasch vergoldet war, während der Korporalspallasch unvergoldet blieb. Das bedeutet: Auch bei der Kavallerie gab es Primaplanisten, die den vergoldeten Pallasch mit Löwenkopfgriffkappe führen durften. Gleichzeitig konnten Wachtmeister ohne Prima-Plana-Status einen vergoldeten Pallasch mit runder Kappe tragen.