Königlich Lombardo-Venetianische Adelige Leibgarde 1838-1856
Auf dem Wiener Kongress 1815 wurden dem österreichischen Kaiserreich unter Kaiser Franz I. die Königreiche Lombardei und Venetien zugesprochen. Noch im selben Jahr wurde die „Venetianische Freiwillige Adelige Garde“ (Guardia nobile Veneto) durch die Stadt Venedig gegründet. Anlässlich der Krönung Ferdinands I. zum König von Lombardo-Venetien, wurde, mit dem Patent vom 6. September 1838, die „königlich lombardo-venetianische adelige Leibgarde“ (Guardia nobile Lombardo-Veneta) ins Leben gerufen.[1]
Als Vorbilder dienten die „königlich ungarische adelige Leibgarde“ und die „galizisch-lodomerische adelige Leibgarde“. Der Zweck dieser Gardebildung war es, neben der Bewachung der kaiserlichen Familie und „zur Vermehrung des Glanzes am kaiserlichen Hof in Wien“ den Adel des Landes an den neuen Herrscher zu binden und zugleich eine Pflanzschule für die jeunesse dorée (franz. „goldene Jugend“) zu sein. Die jungen Männer aus den reichen oberen Gesellschaftsschichten der Lombardei und Veneziens sollten eine vierjährige Ausbildung erhalten, um dann im Militär dem Staat zu dienen. Jährlich sollten dazu 15 Knaben im Alter von 17 bis 20 Jahren zur Ausbildung nach Wien geschickt werden. Sie mussten adeligen lombardischen und venetianischen Familien angehören und fest im katholischen Glauben verankert sein. Außerdem sollten sie ledig und ihr Aussehen vorteilhaft sein. Unter Punkt 5 von Paragraph 15 im 4. Kapitel der Statuten ist noch zu lesen:
„5.) Muß er die Größe von fünf Schuh und vier Zoll Wiener Maß erreicht haben, oder doch zur Erlangung derselben durch sein Alter und Wachstum die Aussicht gewähren.“
In den Jahren 1838 bis 1840 war die Garde in Mailand garnisoniert und übersiedelte dann nach Wien in den vom Kaiser zur Verfügung gestellten Gardehof, der früher den Namen „Kaiserhaus“ trug und am Wiener Rennweg lag. Jeder Gardist erhielt ein eingerichtetes Zimmer für sich allein.[2] Die 60 auszubildenden Garden (pro Jahrgang 15 Jugendliche x 4 Ausbildungsjahre) unterstanden vier Ober- und acht Unteroffizieren. Dazu kamen 15 Stabsparteioffiziere, das Institutspersonal mit etwa zehn Personen und etwa 80 Personen des Haus- und Dienstpersonals. Über 70 Pferde wurden der Garde zugewiesen.[3]
Die Uniformierung wurde aus den Mitteln des Garde-Fonds finanziert und den Gardisten für eine Tragedauer von vier Jahren zur Verfügung gestellt. Im Wesentlichen passte sich die Uniform jener der Arcieren-Leibgarde an, nur die Ärmelaufschläge waren statt mit schwarzem Samt in dunkelblau gehalten. Nach erfolgter Ausbildung gingen die Uniformstücke in den persönlichen Besitz des Garden über. Alle anderen Gegenstände (insbesondere Waffen, Helme usw.), für die eine Tragezeit von über vier Jahren berechnet wurde, verblieben im Eigentum des Instituts.[4] Zum Dienstgebrauch der Oberoffiziere der Garde wurden aus dem Garde-Fonds vier reich bestickte Schabracken (Pferdedecken) angeschafft, die Eigentum des Instituts blieben.[5]
Als Kopfbedeckung diente neben dem aus getriebenem Silber kunstvoll hergestellten Helm ein goldbordierter Zweispitz mit schwarzem Federbusch. Der rote Uniformrock ist auf seiner Vorderseite reichlich mit Goldtressen und Quasten besetzt, die Schultern sind mit Epauletten mit dicken Bouillons belegt. Von der linken Schulter zur rechten Hüfte verläuft der breite, tressenbesetzte Kartuschriemen, an dem eine Kavalleriekartusche befestigt war. Der Riemen ist mit einem plastisch ausgeformten, vergoldeten Löwenkopf verziert, der durch drei goldene Kettchen mit einem etwas weiter unten angebrachten Wappenschild verbunden wird. Als Beinkleider dienten weiße Pantalons, bei denen die äußeren Seitennähte mit goldgewirkten Lampassen geziert waren.
Eine genaue Rekonstruierung der Uniformen, Monturen, Livreen und Waffen gestaltet sich insofern schwierig, da diese Gegenstände bei der Auflösung der Leibgarde verkauft oder vernichtet wurden. Von den Uniformen ist keine einzige erhalten geblieben. Die silbernen Objekte, wie der Helm, die Trompete oder die Säbelscheide wurden dem Hauptmünzamt zur Einschmelzung übergeben. Lediglich ein Messinghelm, eine Schabracke, ein Degen und ein paar Pistolen sind erhalten geblieben. Auch ein Säbel für Oberoffiziere findet sich im HGM Wien. In einer Privatsammlung konnte kürzlich auch ein Säbel für Garden gefunden werden.[6]
[1] Statuten 1840, S. 1
[2] Statuten 1840, 11. Kapitel, § 34.
[3] Statuten 1840, 1. Kapitel, § 1.
[4] Statuten 1840, 13. Kapitel, § 45.
[5] Statuten 1840, 13. Kapitel, § 48.
[6] Loske, Leibgarde, S. 50
Säbel für den Kapitän der Garde, den Kapitän-Leutnant, sowie den Oberleutnant und den Unterleutnant
Das Gefäß aus feuervergoldetem Messing ist aus mehreren Teilen zusammengesetzt: Zum einen besteht es aus dem sogenannten Kreuz, bei dem die Parierstange in einer Rundung in den Bügel übergeht und mit kleinen Klingenlappen ausgestattet ist. Von der Parierstange hebt sich als Handschutz ein Stichblatt ab, das in Form eines Wappenschildes gestaltet ist, das von der sogenannten „Eisernen Krone“ überhöht ist. Das Wappenschild ist zweigeteilt: Es zeigt in der linken Hälfte die Darstellung der Lombardei (eine Schlange mit einem Kleinkind im Maul) und auf der rechten Wappenhälfte den geflügelten Löwen (als das Wappen von Venedig). Von diesem Schild heben sich Akanthusblättern ähnliche, eingerollte Spangen ab, die sich mit dem Griffbügel vereinen.
Den zweiten Teil des Gefäßes bildet die ebenfalls zur Gänze aus feuervergoldetem Messing erzeugte Griffkappe. Sie ist so gestaltet, dass der Rücken in Form einer stilisierten Kappe gearbeitet wurde, die mit erhaben gegossenen Schuppen und floralen Mustern verziert ist und in der Mitte einen finster blickenden, bärtigen Männerkopf zeigt. Das Griffstück – jener Teil, der normalerweise aus mit Leder bezogenem Holzkern gefertigt wurde – ziert ein plastisch gegossener kaiserlicher Doppeladler mit dem habsburgischen Wappen im Herzschild.
Die hohlgeschliffene schmale Klinge wurde mit tiefen floralen Ätzungen geschmückt, deren Grund mit Gold unterlegt ist. Das lombardisch-venetianische Wappen und eine Widmungsinschrift finden sich ebenfalls geätzt auf der Klinge. Als Lieferant hat sich der Schwertfeger „J. H. Haussmann“ aus Wien darauf verewigt.
Die auf Hochglanz polierte Scheide aus Silberblech präsentiert sich mit ebenfalls reich verzierten, vergoldeten Beschlägen, welche am Mund-, Tragering- und Ortblech neben floralen Elementen wieder das bereits erwähnte Wappen darstellen. Zusätzlich ist am Ortblech in einer runden Kartusche der allerhöchste Namenszug von Kaiser Ferdinand I., „F.I.“, zu finden.
Säbel für Premier- und Second-Wachtmeister sowie Garden
Dieser Säbel gleicht zur Gänze jenem der Oberoffiziere, nur ist das Griffstück geteilt in die Griffkappe und die mit schwarzer Fischhaut überzogene und mit gedrilltem Draht in den Vertiefungen abgebundene Handhabe. Außerdem ist die Klinge beim vorliegenden Belegstück ohne jegliche Zier. Die Scheide ist für die Unteroffiziere und Garden aus poliertem Stahl hergestellt, ansonsten jedoch mit den gleichen Ausstattungsstücken bestückt wie jene der Oberoffiziere.