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Die Lanciere

Die schweren oder deutschen Reiter teilten sich in die Lanciere oder Spießer und die Kürassiere, wobei die Lanciere die Königsklasse des mittelalterlichen Ritters darstellten. Sie wurden deshalb als die edelsten Ritter angesehen, weil ihre Art zu kämpfen die meiste Übung und das größte Geschick erforderte. Außerdem besaßen sie die besten und wendigsten Pferde, die ebenso die aufwändigste Ausbildung benötigten. Sein Harnisch bedeckte den Lancier von Kopf bis Fuß. Durch kühne und gezielte Stöße mit der Lanze sollte er die Formationen der Feinde zur Auflösung bringen.

1.1.1 Die Lanciers perfektionieren die Reitkunst

All jenen, die sich mit der Kunst des Reitens intensiver auseinandergesetzt haben, ist bekannt, dass der Sitz im Sattel, die Schulterstellung und Gewichtsverlagerung Grundvoraussetzungen für die Ausübung dieses Sports sind. Wenige werden dabei bedenken, dass die verschiedenen klassischen Reitfiguren ihren Ursprung in der Verwendung des Pferdes als Schlachtross haben. Der Gründer der akademischen Reitkunst Bent Branderup[1] beschreibt dies in seinem Buch „Renaissance Reiten nach Antoin de Pluvinel“ sehr eindrucksvoll und nachvollziehbar. Im Kapitel „Waffenübungen“ erwähnt er, dass die Grundlagen zur Pferdedressur in der Ausbildung zum Kampf- und Jagdpferd zu suchen sind. Stellt man sich den Ritter, mit Schwert oder Lanze in der Hand, im Sattel sitzend vor, so ergibt sich für viele Figuren und Sitzhaltungen eine ganz einfache und plausible Erklärung.

Im Kampf musste der Gegner immer fest im Auge des Ritters verankert sein. Dass er sich beim Lanzenstich zum Beispiel in die Richtung seines Gegners lehnte, scheint einleuchtend. Täte er das nicht, so könnte er einen wuchtigen Lanzenstich im Sattel nicht parieren. Ebenso nachvollziehbar ist, dass man sich bei der Traversale, einer diagonalen Bewegung, in die Bewegungsrichtung lehnt und auch die Schulter dieser Richtung zuwendet. Man bedenke, dass mit der Lanze ein Stoß in Richtung Gegner ausgeführt werden sollte und man dadurch sein ganzes Gewicht in diesen Stoß verlagern musste.

Um dem Gegner in jede Richtung folgen zu können, ist auf dem Pferderücken eine Pirouette angebracht. Mit dieser Figur kann das Pferd auf engstem Raum gewendet und der Gegner mit Lanze oder Schwert ständig verfolgt und im Auge behalten werden.

[1] Vgl. Branderup, Seite 76 f

Die Pirouette

Die Gangart Terre à Terre

Besonders im Nahkampf ist die Gangart Terre à Terre (franz. „Boden zu Boden“) die einzig richtige. Dieser Begriff stammt aus der klassischen Reitkunst und bezeichnet eine Veredelung des Galopps. Sie umfasst die Seitengänge, Piaffe, Passage, die Galopp-Pirouette, den Galoppwechsel und Mezair. Das Pferd springt dabei zuerst mit beiden Vorderhufen und dann mit den Hinterhufen, ohne dabei wesentlichen Raumgewinn zu erzielen. Dadurch ist es, fast auf der Stelle tretend, immer in voller Bewegung und kann, wenn notwendig, auch aus dem Stand davongaloppieren. Gerade diese Gangart verlangt von Reiter und Pferd eine intensive Ausbildung. Vor allem aber bedarf es dafür ein weit besseres Pferd als jene, welche nur zum Galopp-Angriff in Formation bestimmt waren. Diese hochwertigen Pferde waren weit teurer als die üblichen Galopp-Pferde. Große Kavallerieregimenter konnten sich die hochdressierten Pferde nicht mehr leisten.

Junge Adelige begannen schon mit 14 oder 15 Jahren, ihr Pferd auszubilden, welches sie dann über ihre gesamte aktive Soldatenlaufbahn begleitete und eine innige Beziehung zwischen Pferd und Reiter entstehen ließ.

Die Gangart Terre à Terre (franz. „Boden zu Boden“)

Die Levade

Bei der Levade kann der Reiter seinen wertvollen Kampfgefährten im Nahkampf auch als lebenden Schutzschild benützen. Dabei darf die Levade nicht zur weit höheren Pesade werden, da das Pferd sonst seine Weichteile dem Gegner als willkommenes Ziel anbietet. Steht das Pferd in der Levade auf seinen Hinterhufen, kann man sich dem Gegner noch Schritt für Schritt annähern oder einen Stoß verstärken, indem der Reiter beim Pferd einen Sprung auslöst, die sogenannte Courbette.

Die Levade
Die Courbette

Die Kapriole

Zuletzt soll noch die Kapriole genannt werden, welche besonders die linke Seite und die ungeschützte Rückseite von Reiter und Pferd schützen soll. Der Ausschlag mit den beiden Hinterhufen aus dem Stand ist wohl das größte Hindernis für einen sich von hinten annähernden Feind.

Die Kapriole

All die genannten Gangarten und Kampfstellungen der klassischen Reitkunst sind noch heute in der weltbekannten Spanischen Hofreitschule Wien mit ihren stolzen weißen Lipizzaner-Hengsten zu sehen. Die klassische Reitkunst wird dort im Training intensiv weitergepflegt um sie bei öffentlichen Auftritten dem staunenden Publikum vorzuführen.